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Keine Zerstörung von Fachkräftepotenzial!

Mittwoch, 25.Mai 2011 von

Aktuelles

Alle Diplom- und Magisterstudierenden müssen ihren Abschluss machen können!

Wir fordern die Leitung der Universität Potsdam mit Nachdruck auf, allen Studierenden ihren angestrebten Abschluss unbeschadet der nötigen Zeit zu ermöglichen, und damit endlich eindeutig Abstand von ihrer unhaltbaren Regelung zu den Abschlussfristen und drohender Zwangsexmatrikulation zu nehmen. Die Landespolitik Brandenburgs fordern wir zudem auf, den Zwangsexmatrikulationsdruck aus §20 (2) BbgHG zu streichen.

Das Studierendenparlament der Universität Potsdam (StuPa) hat auf seiner letzten Sitzung am Dienstag, dem 24. Mai 2011, auf Initiative der Juso-HSG einstimmig eine Resolution angenommen, die sich gegen die Abschlussfristenregelung mit drohender Zwangsexmatrikulation der Diplom- und Magisterstudierenden und für die Ermöglichung ihres Studienabschlusses ausspricht. „In Zeiten des Fachkräftemangels und des dringenden Bedarfs an Akademiker_innen wäre eine Zerstörung volkswirtschaftlicher Ressourcen durch Zwangsexmatrikulation kurz vor dem Studienabschluss der reinste Wahnsinn. Eine fehlende Gesamtstrategie von Politik, Schulen, Hochschulen und Wirtschaft, wie man den zukünftigen Fachkräfteherausforderungen begegnen möchte, käme noch hinzu. Ein kleiner Schritt ist, allen Diplom- und Magisterstudierenden zu ermöglichen, ihren ersten berufsqualifizierenden Abschluss auch zu erlangen – und das unabhängig von der noch benötigten Semesterzahl, statt sie wieder um Längen vom Berufseinstieg zurückzuwerfen, was ein Neuanfang im Bachelor bedeuten würde“, stellt Enrico Schicketanz, als Juso-Mitglied Initiator der Resolution sowie Sprecher von Pro.Sozialpolitik, den übergeordneten Zusammenhang dar.

Die aktuelle Fristenregelung an der Uni Potsdam, der bis vor kurzem die jetzige Wissenschaftsministerin, Prof. Dr. Dr. Sabine Kunst, vorstand, ist zusammen mit dem bisher angedrohten Entzug des Prüfungs- oder Nachprüfungsanspruches nach Aussagen eines Berliner Fachanwaltes für Hochschulrecht bundesweit einmalig, am restriktivsten und rechtlich unhaltbar. Dankbarerweise hat die Universitätsleitung jetzt auf studentischen und medialen Druck reagiert und erste wichtige Verbesserungsschritte öffentlich eingeleitet. Wir begrüßen ausdrücklich, dass Prüfungen auch nach den engen Fristen möglich sein sollen und dass die Prüfungsausschüsse gewisse Ermessensspielräume bekommen. Doch bleiben zentrale Probleme, die Unsicherheit und die psychische Zusatzbelastung der Betroffenen bestehen.

Malte Jacobs, für die Jusos im AStA als Referent für Sozialpolitik aktiv, bekräftigt daher: „Wir fordern von der Universitätsleitung endlich öffentlich Abstand von ihrem einseitigen rechtsunsicheren Vorgehen zu nehmen und von der nicht demokratisch beschlossenen Stichtagsregelung abzusehen. Es wäre begrüßenswert, wenn die Universitätsleitung die Abstimmung mit allen Prüfungsausschüssen der Fakultäten intensivieren würde, um einerseits die großzügige Verlängerung der Fristen auch bei individuellen Gründen wie Jobben, Familie, gesellschaftlichem und ehrenamtlichem Engagement und überdurchschnittlicher psychischer Belastung zu erreichen. Des Weiteren sollte die Entscheidung zu den auslaufenden Studiengängen hochschulöffentlich diskutiert werden und mit allen Beteiligten, insbesondere in enger Absprache mit den Betroffenen und uns Studierendenvertreter/innen, nach gangbaren tragfähigen Wegen gesucht werden. Möglicherweise sind dazu individuelle Ablaufpläne erforderlich.“

„Bis zum Abschluss – nicht nur bis zum Stichtag – muss es ein ausreichendes Studienangebot bzw. Alternativanerkennungen geben. Es ist eine Peinlichkeit für die Universitätsleitung, öffentlich zuzugeben, dass sie ein Studium in der Regelstudienzeit gar nicht gewährleisten kann, aber gleichzeitig fordert, dass die Studierenden ihr Studium in weniger als der realen durchschnittlichen Studienzeit abgeschlossen haben müssen. Die Studierenden sind nicht verantwortlich für eine verfehlte Hochschul- und Finanzpolitik. Die Stigmatisierung dieser Studierenden und der Aufbau unnötigen psychischen Drucks sind sozial ungerecht“, empört sich Denis Newiak, Sprecher der Juso-Hochschulgruppe und Mitglied im Studierendenparlament.

Doch nicht nur die Hochschulleitung ist in der Pflicht, sondern auch das Wissenschaftsministerium Brandenburgs: „Grundlegend ist nämlich auch, dass die Zwangsexmatrikulationsmöglichkeit für nach 2008 Immatrikulierte aus dem §20 Abs. 2 des Hochschulgesetzes wieder gestrichen wird. Zielführender als gesetzliche Prüfungsfristvorgaben oder das Weiterschieben der Verantwortung an die Hochschulen und letztlich an die Studierenden ist es, ein Studium in der Regelstudienzeit durch staatliche Ausfinanzierung überhaupt erst zu gewährleisten, studienbegleitende und psychologische Beratung auszubauen – und im Übrigen mehr Mut zur studentischen Selbstbestimmung zu haben“, ergänzt Enrico Schicketanz.

Hier geht es zu unserer aktuellen Pressemitteilung als druckfertige PDF zum Download.

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