Abonnieren: Artikel / Kommentare

Arbeit an Hochschulen – sicher und fair!

Mittwoch, 23.Februar 2011 von

Aktuelles

Hochschul-Jusos solidarisieren sich mit Gewerkschaften beim Aktionstag für sichere und faire Arbeit und fordern landesweiten Tarifvertrag für studentische Beschäftigte und sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse für alle Lehrenden

Anlässlich des bundesweiten Aktionstages der DGB-Gewerkschaften gegen Lohndumping und für sichere und faire Arbeit sind auch politisch und gewerkschaftlich Engagierte des Hochschulbereiches mit ihren Forderungen präsent. Denn auch im Hochschulbereich nehmen befristete und unsichere Beschäftigungsverhältnisse und Leiharbeit rasant zu. Leiharbeiter heißen hier nur „Lehrbeauftragte“.

Seit Jahren setzen sich die Juso-Hochschulgruppen zusammen mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) für einen Tarifvertrag für studentische Beschäftigte und einen eigenen Personalrat ein.

„Wenn Brandenburg ‚kein Billiglohnland‘ sein will, muss auch die Tarifmauer zu Berlin endlich eingerissen werden. Rot-Rot ist nach seinen Wahlversprechen und seinem Koalitionsvertrag in der Pflicht, auf die Gewerkschaften zuzugehen, um endlich einen Tarifvertrag abzuschließen, der sich mindestens am Berliner Vorbildniveau orientieren sollte. Das betrifft insbesondere die Bezahlung, Vertragsdauer, Sonderzahlungen und einen eigenen Personalrat. Absichtserklärungen und gute Worte verbessern die reale soziale Situation nicht“, fordern Enrico Schicketanz, Sprecher der Juso-HSG Potsdam, und Malte J. Jacobs, für die Jusos im AStA Referent für Sozialpolitik.

Die Situation im Hochschulbereich ist z. T. noch deutlich prekärer als in der Wirtschaft; Vorherrschend sind hier Befristungswillkür, Kettenverträge, de facto Vollzeitarbeit auf Halb- oder Viertelstellen, Lohndumping und sogar unbezahlte grundständige Lehre durch gut ausgebildete Wissenschaftler_innen – von den Medien so genannte „Betteldozenten“, die auf Hartz IV angewiesen sind, während sie die zukünftigen Akademiker_innen ausbilden.

„Daher solidarisieren wir uns auch mit den Forderungen des Templiner Manifests für eine soziale Reform der Personalstruktur und Berufswege im Hochschulbereich. Es ist ein Skandal, dass das akademische Personal dieses Landes mit Hungerlöhnen abgespeist wird oder sogar überhaupt keine Bezahlung erhält. Viele sind trotz wissenschaftlicher Tätigkeit auf Hartz IV angewiesen und haben keine wirklichen Perspektiven für ihren beruflichen Werdegang. Die mangelnde Weitsicht der bundesdeutschen Politik führt dazu, dass es die deutschen Wissenschaftler_innen in Scharen nach Westeuropa und in die USA zieht“, erklärt Denis Newiak, ebenfalls Sprecher der Juso-HSG Potsdam.

In Deutschland bekommen 75 Prozent der wissenschaftlichen Mitarbeiter­_innen befristete Kettenverträge und das i. d. R. für Daueraufgaben in der forschungsbasierten Lehre. Sie haben keine berechenbare Berufsperspektive. Zudem hat sich die Zahl der Lehrbeauftragten seit 1997 fast verdoppelt. Die Zahl der „wissenschaftlichen Hilfskräfte“ – die Universitäts-Versionen tarifvertraglich nicht abgesicherter Beschäftigter mit Hochschulabschluss im öffentlichen Dienst – ist in den letzten zehn Jahren ebenfalls rapide gestiegen. Währenddessen befristet Frankreich seine Stellen nur zu einem Viertel, die USA sogar nur zu 17 Prozent. Diese Staaten bieten zudem sichere Berufsperspektiven für Daueraufgaben jenseits der Vollprofessur.

Kommetare wurden geschlossen.

Juso-HSG Potsdam - in drei Minuten.