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Antrag der Juso-HSG Potsdam: Ausstieg der gesamten Universität Potsdam aus dem Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE)

Sonntag, 16.Februar 2014 von

Aktuelles

Du Juso-HSG Potsdam hat zur Januar-Sitzung des Studierendenparlaments den völligen Ausstieg der Uni aus dem sog. CHE Ranking gefordert.
Der Antrag wurde vom Studierendenparlament mit größer Mehrheit angenommen.
Unsere Gründe für dafür könnt ihr aus dem Antrag selber entnehmen:

Antrag:
Das Studierendenparlament möge beschließen:
Die Studierendenschaft der Universität Potsdam fordert die Universität Potsdam öffentlich auf, mit allen Instituten und Einrichtungen aus dem Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung auszutreten. Die Studierendenschaft sieht Rankings auch im Allgemeinen als nicht geeignet an, um Universitäten zu bewerten.
Der AStA der Universität Potsdam wird aufgefordert, sich zum CHE-Ranking öffentlich und kritisch zu äußern.

Begründung
Am 04.12.13 und am 18.12.13 versandte die Uni Potsdam einen Aufruf an alle Studierenden in BWL, VWL und Jura, sich an der Umfrage zum CHE-Ranking zu beteiligen.
Rankings stellen allgemein ein Problem dar, denn sie versuchen Universitäten mit unterschiedlichsten Profilen und Ausprägungen, mit vereinfachten Mitteln, wie Schulnoten oder Ampeln zu bewerten. Hier wird ein Konformitäts- und Anpassungsdruck erzeugt, der wiederum eine Ökonomisierung und zum „Wettbewerb“ unter Hochschulen beiträgt.
Neben der Frage, ob Rankings als geeignet anzusehen sind, Universitäten in irgendeiner Weise zu „bewerten“, stuft man das CHE-Ranking als besonders kritikwürdig ein. Es hat das Ranken von Hochschulen in Deutschland nicht nur hoffähig gemacht sondern arbeitet auch mit umstrittenen Methoden und setzt auf einer Ideologiebasis auf, die man ohne Probleme als Neoliberal bezeichnen kann.

Was ist das CHE?
Das Centrum für Hochschulentwicklung wurde Mitte der 90er Jahre von der Bertelsmann Stiftung und der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) gegründet. Es firmiert als gemeinnützige GmbH in Güterlsoh, wo sich auch der Hauptsitz der Bertelsmann Stiftung befindet.
Im sog. „Mission Statement“ setzt sich das CHE für ein „wandlungsfähiges Hochschulsystem“ ein. Das heißt unter anderem die Einführung von Studiengebühren1 und das Durchsetzen des Bachelor-/Mastersystems. Auch unter den Schlagwörtern Autonomie und Eigenverantwortung und Hochschulräte hat das CHE zahlreiche Publikationen verfasst. Zu dieser Reformagenda gab es in einigen Bundesländern entsprechende Gesetzesvorhaben, die maßgeblich vom CHE begleitet worden sind.

Kritik an Bertelsmann
Die Marschrichtung des CHE ist klar: den Umbau der deutschen Hochschulen zu unternehmerischen und entstaatlichten Einrichtungen im gegenseitigen Wettbewerb.
Damit passt sie zur politischen Agenda der Bertelsmann Stiftung, der man mitnichten eine gemeinnützige Zielstellung nachsagen kann. Sie ist zu einer der wichtigsten politischen Beratungsinstitutionen der Bundesrepublik geworden. Die Stiftung verfügt über weitreichenden Einfluss, auch dank der Tatsache, dass der Bertelsmann-Konzern einer der größten Medienkonzerne der Welt ist.
Die Hochschulen sind vom Bertelsmann-Patriarch Reinhard Mohn als „Schlüssel zur Gesellschaft“ bezeichnet worden mit der die gesellschaftspolitischen Ziele der Bertelsmann Stiftung durchgesetzt werden sollen. So sollen z.B. „die Grundsätze unternehmerischer, leistungsgerechter Gestaltung in allen Lebensbereichen zur Anwendung gebracht werden“, das Regieren besser gemacht und das Prinzip „so wenig Staat wie möglich“ durchgesetzt werden. All dies kann man in dem Buch von Reinhard Mohn, „Die gesellschaftliche Verantwortung des Unternehmers“, sowie auf der Homepage der Bertelsmann Stiftung nachlesen.
Die Bertelsmann Stiftung arbeitet dabei wie ähnliche „Think Tanks“ und Lobbygruppen v.a. mit Thesenpapieren, Studien und Projekten, die zum „Agenda Setting“ in die öffentliche Meinungsbildung gebracht werden und mit Hilfe des Medienkonzerns Bertelsmann schnelle Verbreitung finden.

Debatte im Jahr 2012: Kritik an Methoden und Zahlreiche Ausstiege
Neben den ideologischen Problemen wurde Mitte des Jahres 2012 auch Kritik an den Methoden des CHE laut. So hat die Deutsche Gesellschaft für Soziologie (DGS) empfohlen, aus dem Ranking auszusteigen, weil es „gravierende methodische Schwächen und empirische Lücken“ aufweist. Danach trat auch die Gesellschaft Deutscher Chemiker (DGCh) aus denselben Gründen aus dem Ranking aus. Gefolgt sind später entsprechende Fachverbände der Historiker, Erziehungswissenschaftler, Kommunikationswissenschaftler u.a. In den Universitäten Hamburg und Leipzig gibt es entsprechende Senatsbeschlüsse, sich nicht an Rankings zu beteiligen, hier wurde neben methodischer Kritik auch Kritik an die politische Ausrichtung des Rankings geäußert. Die Uni Köln ist bereits seit 2011 nicht mehr im Ranking vertreten. Neben diesen Unis gibt es zahlreiche Fachbereiche und Institute innerhalb von Universitäten in ganz Deutschland, die nicht mehr am Ranking teilnehmen. Weiterhin gab es zahlreiche Beschlüsse der Studierendenschaften, die ihre Uni aufforderten auszusteigen.10 Die Universität Potsdam gehört bisher nicht dazu, stattdessen rühmt man sich hier der guten Rankingergebnisse. Das CHE hat sich gegen die methodischen Vorwürfe gewehrt, ist aber insbesondere nicht auf Kritik eingegangen, die an ihren ideologischen Grundlagen geäußert werden.
Wir sagen, dass es der Uni Potsdam gut zur Gesicht stünde, auf Rankings und damit auf Ökonomisierung der Bildung, Leistungsdruck und Verschulung der Lehre zu verzichten!

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